Pressestimmen zum FLUX-Projekt an der Philipp-Reis-Schule, unter der Leitung von Philipp Haines


Taunus Zeitung, 27.5.2011

Erst vergessen, dann verzogen

Schüler schrieben ein Theaterstück und spielen es dann selbst

Die Premiere des selbst geschriebenen Stücks der Theater AG der siebten und achten Klassen der Philipp-Reis-Schule war ein voller Erfolg: "Zoe" brachte die Zuschauer zum Nachdenken – und ein bisschen auch zum Lachen.

Friedrichsdorf. Wie viel kann ein Mensch ertragen, wenn er im Stich gelassen, vergessen und ignoriert wird? Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch das selbst konzipierte Stück "Zoe (Y)" (ausgesprochen "why" – warum) der Theater AG der siebten und achten Klassen der Philipp-Reis-Schule. Am Mittwoch begeisterte die Premiere das Publikum in vielerlei Hinsicht.

Die Darsteller überzeugten durchweg durch ihr schauspielerisches Geschick, hierbei unter anderen Christian Habrecht alias Dr. Meier vom Jugendamt mit seinem dezent komödiantischen Auftreten, Elena Fölsing als Zoes Stiefmutter, durch ihr affektiertes und verzweifeltes Hausfrauendasein, aber auch der namenlose "Ganze Kerl", gespielt von Jonathan Bergmann, durch seine besonders coolen Rapper-Gesten.

Die Schüler bewiesen ferner das Vermögen, sich mit anspruchsvollen Themen auseinanderzusetzen und ihre Ideen in ein Theaterstück zu packen. In den rund 45 Minuten Spielzeit vermittelten sie ihre persönliche Botschaft. Sie haben professionelle Unterstützung erfahren durch den Theaterpädagogen Philipp Haines und die Hospitantin Laura Müller, aber auch von der Lehrerin, und eigentlichen Leiterin der Theater AG, Doris Käberich. Den Handlungsrahmen zur weit gefassten Vorgabe "Familie" aber, haben die Schüler sich komplett selbständig erspielt, ebenso die Dialoge.

Der Teufel spielt mit

Haines setzte mit meisterhafter Geschicklichkeit und mit Hilfe der Schüler die Ideen auf der Bühne um. Und das haben die Schüler nach etwa einem Dreivierteljahr Arbeit zustande gebracht: Zoe (Dana Jox) ist 13 Jahre alt als sie vom Jugendamt an ihren leiblichen Vater vermittelt werden soll – die leibliche Mutter wird nicht erwähnt. Doch statt des Vaters (Aleksandar Fürer), der im Übrigen nichts von der Existenz seiner Tochter weiß, geht seine derzeitige Frau ans Telefon. Sie gerät in Panik, hörte auf den Teufel (Pia Hofmann), und gibt das Mädchen in ein Internat. Doch Zoe wird in der Schule gemobbt. Sie haut ab und wird von einer Jugendbande aufgenommen – in dessen Anführer "Kerl", der von seinen Eltern vernachlässigt wurde und in der Schule nicht voran kam, sie sich verliebt. Nach einigen Turbulenzen jedoch stellt die Clique Zoe den Erstkontakt zum Vater her. Der bestürzte Vater setzt seine heuchlerische Frau vor die Tür und nimmt die Tochter auf. Das Publikum hatte nun die Wahl: Soll Zoe zum Vater oder soll sie auf der Straße beim "Kerl" bleiben? Die Zuschauer entschieden sich für den Vater – und bekamen folgendes Resultat geliefert: Zoe, die einst mit ihren Straßenfreunden Drogen, Bier und Zigaretten kaufte, hat sich in ein verwöhntes Luxus-Gör verwandelt, das ihre damaligen Freunde sogar verleugnet. "War das die richtige Entscheidung?", fragten die Jugendlichen – und der Vorhang fiel. Heute Abend findet eine weitere Aufführung im Forum der PRS statt. Beginn ist um 19 Uhr.ogf (ogf)

 

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Pressestimmen zum Auftritt von "Die imDunkeln" in der Klingerschule:

 

FR, 4.11. 2010

Blini, Bananen, Bewusstsein

Das „Herbstforum“ der Klingerschule zeigt: Wenn Jugendliche mit ihren Ideen und Mitteln an ein so schwieriges Thema wie Multikulti rangehen, dann kommt dabei Spannenderes raus als in vielen Plenarsälen oder Seminarräumen.

 

 

Multikulti ist tot? In der Aula der Klingerschule ist es quicklebendig. „Mein Name ist Adil, ich bin Marokkaner“, sagt einer der Podiumsteilnehmer und reicht das Mikrofon weiter. „Ich heiße auch Adil, aber ich bin eigentlich Libanese“, sagt ein anderer. Tosender Applaus.

Den knapp einhundert Schülern, die der Diskussion auf dem „Herbstforum“ lauschen, gefällt der lockere Umgang mit Herkunft und Nation. Das ändert jedoch nichts an dem Ernst und der Leidenschaft, mit der diskutiert wird.

Fast 90 Prozent der Abiturienten der Klingerschule haben sich selbst als „Migranten“ bezeichnet, wohl wissend, wie schwierig so eine Definition ist. Weil Multikulti bei ihr positiver Bestandteil des Alltags ist, zeigt die Schule auf ihrem diesjährigen „Herbstforum“, was sich Politiker und Leitartikler häufig nicht vorstellen können: Dass verschiedene Kulturen lebendig und kreativ zusammen leben können.

Jedes Jahr richten die Schüler der zwölften Stufe ein thematische Forum aus, das sich mit Diskussionen und Kulturprogramm einem großen Thema widmet. Für Migration hatte man sich bereits vor der Sommerpause entschieden. „Das Thema wurde dann aus Versehen passend“, sagt die Tutorin Andrea Kümmel.

Die Schauspielgruppe „theaterperipherie“ führt mit ihrem selbst produzierten Stück „Die im Dunkeln“ in die Welt illegaler Einwanderer ein. Es beruht auf monatelangen Recherchen unter „Illegalen“ und zeigt eindrucksvoll die Beklemmung, die jedes Detail des Alltags bestimmen kann, wenn man keinen Pass und keine Heimat hat.

Die darauffolgende Podiumsdiskussion nimmt das Thema auf und macht nicht den Versuch, die Dinge unnötig zu relativieren oder zu beschönigen. Die Schüler haben sich gut vorbereitet: „Werden Migranten in Deutschland einfach nur verwöhnt? Soll man sich in Deutschland bis zur Selbstaufgabe anpassen?“ Fragen dieser Art gehen an die Leiterin des Amtes für Multikulturelle Angelegenheiten, Helga Nagel, und die Schauspieler, die von ihren Recherchen berichten. Auch ein Dutzend Schüler nimmt an dem Gespräch teil, wie ihnen überhaupt der ganze Tag gehört. Ein Buffet haben sie ausgerichtet mit Köstlichkeiten aus ihren Ursprungsländern, gebratene Bananen gibt es da, Blini, Baklawa und deutschen Schmalzkuchen. Das Konzept für das „Herbstforum“ haben sie selbstständig entwickelt, eine praktische Übung und eine Stärkung ihres Selbstbewusstseins als multikulturelle Gemeinschaft.

„Wenn die Schüler ein Thema haben, mit dem sie etwas anfangen können, kommen da fantastische Dinge bei heraus“, sagt Manfred Pöpperl, Abteilungsleiter der Oberstufe an der Klingerschule. Die verschiedenen Kulturen und Nationalitäten würden im Alltag thematisiert und als Bereicherung angesehen: „Deshalb haben wir auch keine Probleme mit Multikulti.“

 

Frühlings Erwachen
von Frank Wedekind
Neuproduktion

 

radikalextrem²
von Alexander Brill
Neuproduktion 


Die Stunde der Wahrheit
von und mit Hadi Khanjanpour
Wiederaufnahme


Woyzek und Marie
von Georg Büchner
Wiederaufnahme

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