Uraufführung (in Kooperation mit Passage Zustand)

"Tattoos of Tears".                                               Ein manbox-detox-Mobile.

„Männlichkeit“ ist kulturell wandelbar, performativ hervorgebracht und stellt sich selbst her durch bestimmte Normen, Beziehungsmodelle und kollektive Strukturen. „Toxische Männlichkeit“ beschreibt eine Reihe an negativen Verhaltensweisen, die bedient und erfüllt werden müssen, um gemäß normativer Gebote ein „echter Kerl“ zu sein. „Toxische Männlichkeit“ stellt sich vor allem in Abgrenzung zu allem her, das als vermeintlich weiblich wahrgenommen wird; an einem selbst wird es verleugnet und an anderen muss es zu diesem Zweck abgewertet werden.

Dementsprechend gelten  „Mädchen“ und „schwul“ auf Pausenhöfen und Fußballplätzen als Schimpfworte und dienen als effektives Mittel einen Jungen* oder Mann* zu erniedrigen. Jungs* werden auch heute noch dazu ermutigt ihre Gefühle zu verdrängen, Dinge mit sich selbst auszumachen, keine „Pussy“ zu sein. Männer* gehen seltener und später zu Ärzt*innen und Therapeut*innen, sie sterben eher als Frauen* an Suizid und Herzinfarkten. Männer* sind als Kinder zunehmend schlechter in der Schule, sie führen die Kriminalstatistik an, sie töten sich gegenseitig, ihre Partner*innen und aus rassistischen Motiven.

„Was ist es, das Männlichkeit* so toxisch macht? Inwiefern reproduzieren wir selbst durch die Bilder in unseren Köpfen und dadurch wie wir sprechen und handeln Heteronormativität, Sexismus und Patriarchat? Und wie ändern wir das?“

„Tattoos of Tears“ ist eine Stückentwicklung von theaterperipherie zusammen mit Künstler*innen der Berliner Performancegruppe „Passage Zustand“, in der wir uns autobiografisch und dokumentarisch mit „toxischer Männlichkeit“, ihrer Geschichte und ihrer Bedeutung für die politische Gegenwart auseinandersetzen. In Monologen und Szenen erzählen wir davon, wie sich toxische Männlichkeit auf die Lebensgeschichten von fünf Menschen auswirken. Es entsteht eine turbulente Collage aus Text, Performance, Video und elektronischer Musik, in der wir uns im toxischen Mobile selbst bespiegeln, im „Gender Trouble“ ungeweinter Knabentränen baden gehen und softe boys (wied)erfinden, die es eh schon immer gab. Ein antisexistisches Detox-Stück.

Regie/Konzept: Vedi Vanessa Emde (PZ)
Performance: Benjamin Cromme, Daniela Fonda, Amin Biemnet Haile (tp)
Musik/Video: Arturo Tobia (PZ)
Text-Dramaturgie: Sina Klein (PZ)
Produktionsleitung und -dramaturgie: Lisa Deniz Preugschat (tp)

 

Premiere:

FR, 11.12.20, 19.30 Uhr