Uraufführung (in Kooperation mit Passage Zustand)

"Tattoos of Tears" - The Bro-Code.

 Männlichkeit ist kulturell wandelbar, performativ hervorgebracht und stellt sich selbst her durch bestimmte Normen, Beziehungsmodelle und kollektive Strukturen. „Toxische Männlichkeit“ beschreibt eine Reihe an negativen Verhaltensweisen, die bedient und erfüllt werden müssen, um gemäß normativer Gebote ein „echter Kerl“ zu sein. „Toxische Männlichkeit“ stellt sich vor allem in Abgrenzung zu allem her, das als vermeintlich weiblich wahrgenommen wird; an einem selbst wird es verleugnet und an anderen muss es zu diesem Zweck abgewertet werden.

 

Dementsprechend gelten „Mädchen“ und „Schwuchtel“ auf Pausenhöfen und Fußballplätzen als Schimpfworte und dienen als effektives Mittel einen „Jungen“ oder „Mann“ zu erniedrigen. Jungs werden auch heute noch dazu ermutigt ihre Gefühle zu verdrängen, Dinge mit sich selbst auszumachen, keine „Pussy“ zu sein. Männer gehen seltener und später zu Ärzt*innen und Therapeut*innen, sie sterben eher als Frauen an Suizid und Herzinfarkten. Männer sind als Kinder zunehmend schlechter in der Schule, sie führen die Kriminalstatistik an, sie töten sich gegenseitig, ihre Partner*innen und aus rassistischen Motiven. Jungs werden wie Mädchen zu Opfern von Missbrauch und Gewalt, zu 90 Prozent von männlichen Tätern. Kurz: Das Patriarchat ist auch für Männer* schädlich.

 

Was ist es, das der toxischen Männlichkeit zur Macht verhilft und sie am Leben hält? In wie weit reproduzieren wir selbst eine heteronormative Gesellschaft, wieviel toxische Männlichkeit trägt jede*r in uns und wie werden wir sie los? Klar ist, dass toxische Männlichkeit nicht nur von Männern* reproduziert wird: toxische Männlichkeit ist, wenn du weißt, dass er ein Arschloch ist und trotzdem seinem Alphacharme erliegst.

 

In „Tattoos of Tears.“ The Bro-Code (AT) verhandeln Künstler*innen von theaterperipherie und der freien Performancegruppe Passage Zustand aus Berlin, wie wir selbst in toxische Männlichkeiten verstrickt sind und softe boys (wied)erfinden, die es eh schon immer gibt.

 

Ein antisexistisches Detoxstück.

 

Regie/Konzept: Vedi Vanessa Emde (PZ)

Co-Regie/Konzept/Performance: Hadi Khanjanpour (TP)

Musik/Video: Arturo Tobia (PZ)

Text-Dramaturgie: Sina Klein (PZ)

Produktionsleitung und -dramaturgie: Lisa Deniz Preugschat (TP)

und drei weitere Performer*innen (TP)