Ehrensache

von Lutz Hübner

Regie: Alexander Brill

Premiere: 25.1.2008

 

Das Stück

Zwei türkische Jungen lernen zwei Mädchen kennen, es ist Wochenende, und man verabredet einen Ausflug nach Frankfurt, in die Großstadt, will sich einen schönen Tag machen. doch am Ende dieses Tages liegt eines der Mädchen tot auf einem Rastplatz mit mehr als dreißig Messerstichen regelrecht abgeschlachtet, und ihre zwei Jahre jüngere Freundin überlebt schwer verletzt, nur weil die Täter sie für tot halten. Zwar sind die beiden Täter schnell gefasst, aber was genau an jenem Tag passiert ist, bleibt unklar: Je nach Perspektive gibt es ganz unterschiedliche Versionen davon, was zu einem solchen Exzess von Gewalt geführt hat. Woher kommt die Brutalität, mit der die beiden türkischstämmigen Jungen, die als freundlich und angepasst galten, zugestochen haben? Welche Rolle spielen Frauen- und Männerbilder in dieser Geschichte? Ein psychologisches Spiel über gekränkte Ehre, Männerfreundschaft?

 

Über das Stück

Lutz Hübner entdeckte in dieser auf den ersten Blick privaten und banalen Tragödie einen grundsätzlichen sozialen und politischen Sprengstoff: Viele junge muslimische Frauen können in Deutschland kein selbst bestimmtes Leben führen, weil die Männer darauf oft mit Gewalt reagieren! Sowohl Frauen als auch Männer sind gleichermaßen Gefangene dieses Systems, aber die Opfer sind immer die Frauen. Tatsache ist, dass es in allen Gesellschaften ein Gewaltverhältnis zwischen Männern und Frauen gibt. Aber im Gegensatz zu den westlichen Demokratien, in denen Gewalt gegen Frauen offiziell verpönt und geächtet ist, gibt es in patriarchalischen Kulturen immer wieder eine heimliche Akzeptanz dieser Gewalt. Diese Gewalt lässt sich durch keinen Glauben legitimieren, auch wenn das immer wieder behauptet wird. Die Gewalt gegen Frauen tobt sich in Wirklichkeit dort am hemmungslosesten aus, wo das Patriarchat nach wie vor uneingeschränkt herrscht. Die Ehre ist ein zentraler Begriff für dieses Patriarchat und die gekränkte Ehre ist es, die in ehrensache die Hauptrolle spielt und zur Katastrophe führt.

 

mit: Deniz Kezer, Adhil Kadhri, Hadi Khanjanpour, Anja Arncken/Clara Schwarz, Hartmut Volle

 

Regie, Bühne: Alexander Brill

Kostüm: Nadja Kaster

Trailer: Vladimir Majdandzic, stopandgo-film, Offenbach

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